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Geist > Weihnachten

Weihnachtspredigt  2011 Jesaja 7,14
Siehe, eine junge Frau ist schwanger und wird ein Kind gebären, das wird sie nennen Immanuel


Jesaja 9,
1Das Volk, das im Finstern wandelt, sieht ein großes Licht, und über denen, die da wohnen im finstern Lande, scheint es hell.
4. Jeder Stiefel , der mit Gedröhn dahergeht, und jeder Mantel durch Blut geschleift, wird verbrannt und vom Feuer verzehrt.
5 Denn uns ist ein Kind geboren, ein Sohn ist uns gegeben, und die Herrschaft ruht auf seiner Schulter; und er heißt Wunder-Rat, Gott-Held, Ewig-Vater, Friede-Fürst;
6 auf dass seine Herrschaft groß werde und des Friedens kein Ende auf dem Thron Davids und in seinem Königreich, dass er's stärke und stütze durch Recht und Gerechtigkeit von nun an bis in Ewigkeit.

Liebe Festgemeinde,

Weihnachtsgeschichten sind Geschichten vom Wunder des Lebens. Dass wir da sind, dass es uns gibt, dass wir leben dürfen, leben können trotz mancher Lasten. In den stillen Stunden eines solchen Abends kann sich eine  tiefe Dankbarkeit dafür einstellen. Dieses Leben ist ein wunderbares Geschenk. Unser Dank, Lob und Preis spiegeln sich dabei in den vielen kleinen Geschenken wieder, die wir einander machen.
Das größte Geschenk aber ist das Dasein selbst. Einfach nur zum Staunen, dieses Geheimnis des Lebens – das himmlische Geschenk. Es gibt keinen Anspruch darauf. Niemand hat sich selbst verdient. Wir sind auf diese Welt  gekommen ganz ohne unser Zutun. Wir können aber frei nach Wilhelm Busch sagen: „Wir freuen uns mit Weib und Kind, bloß weil wir vorhanden sind.“  Ich jedenfalls freue mich, dass sie heute abend hier so zahlreich vorhanden sind.
Neben dem puren Leben ist den Meisten von  uns  dazu auch noch soviel an Liebe und Vertrauen geschenkt worden: Menschen, die für uns da waren und immer noch da sind. Menschen, die an unserer Seite stehen, die wir in diesen Tagen besuchen  oder die bei uns zu Besuch sind. Sie sind unsere „heilige“ Familie. Wer sie an Weihnachten um sich hat, heil und gesund, kann doppelt Lob und Preis singen.  Doppelt wiegt aber auch die Einsamkeit dort, wo diese Familie fehlt:  Wo sich Brüche und Risse durch unser Haus ziehen und schlimmer noch: durch unser Herz; Stiche und Verletzungen und die Frage: Wer soll das heilen?
Weihnachtsgeschichten - sie erzählen von himmlischer Liebe, von der Geburt eines Kindes, der Freude an ihm und dem Wunsch nach Frieden, damit dieses Kind groß werden kann. Sie erzählen auch von der Heilung eines tiefen Schmerzes. Noch bevor Lukas berichtet „es begab sich aber zu der Zeit“, erzählt er wie sich über lange Zeit nichts begeben hat. Da ist die unerfüllte Sehnsucht zweier Menschen - Elisabeth  und Zacharias - nach einem Kind, und nichts tut sich, nichts geschieht. Dabei haben die Beiden alles richtig gemacht im Leben. „Untadelig“,  schreibt Lukas, und wir hören die Frage heraus: „Warum, lieber Gott, warum erhörst du uns nicht?“ Ungewollte Kinderlosigkeit plagt sie. Die Haare werden grau und der Alltag auch - grau in grau. Nur im Herzen ist noch diese Sehnsucht. Vielleicht kennt das der eine oder andere von ihnen auch.

So erzählt mir die alt gewordene Lehrerin: „Das ist mein größter Weihnachtswunsch: noch ein Enkelkind zu erleben. Meine Kinder kommen ja nun schon langsam in ein Alter, wo bald nichts  mehr zu hoffen ist.  Bei der einen sind es biologische Gründe. Es klappt halt einfach  nicht. Ach was haben die Beiden nicht schon alles versucht.
Die andere ist in der Rushhour des Lebens auf der Strecke geblieben. Erst das Studium fertigmachen, dann der Einstieg in den Beruf und erst mal ein paar  Jahre Geld verdienen, um dann auf sicherer Basis eine Familie zu gründen. Aber manchmal wird das Zeitfenster sehr eng, und den richtigen Partner muss man ja auch noch haben. Plötzlich ist es zu  spät.
Der Dritte hat sich für die Liebe zum Beruf entschieden  und will bewusst kinderlos bleiben. Ich will ihnen da ja auch nicht rein reden“, sagt die alte Dame, „das hilft ja auch nicht“, und sie blickt ein wenig neidisch auf ihre Freundin.
Die hat nämlich schon eine muntere Enkelschar um sich herum. Sie freut sich, dass die zu Weihnachten alle da sind, auch wenn sie weiß, dass sie  nach den Festtagen ziemlich geschafft sein wird, weil die Enkel ihr Leben auch kräftig durcheinander wirbeln und die Oma fordern.
„Benedictus  Dominus, gelobt sei der Herr, denn er hat besucht und erlöst sein Volk“, singt der altgewordene Zacharias in der Weihnachtsgeschichte, als ihm doch noch ein Kind geboren wird. Er lobt und preist es in den höchsten Tönen: „Du Kindlein wirst ein Prophet des Höchsten heißen“.  Johannes der Täufer wird es sein. Er wird der Vorbereiter einer neuen Welt, Hoffnung für eine altgewordene Gesellschaft, ein Licht für das Volk, das im Finsteren wandelt

Danach und zugleich verknüpft damit erzählt Lukas die genau entgegengesetzte Geschichte:  Das junge Mädchen, das schwanger wird,  ungewollt und doch von Gott gewollt. Da will ein Kind zur Welt kommen und durchkreuzt dabei alle Pläne. Wer die Vaterrolle übernimmt ist zunächst  unklar.  Es muss fürs erste reichen, dass das Kind einen himmlischen Vater hat.
Und dann singt die junge Frau ihr Magnifikat über dem Leben  des Kindes. „Mein Geist freut sich Gottes, meines Heilandes“: Heute singt sie mit dem Lied von Silbermond über dem unverhofften Nachwuchs: „Du bist das Beste, was mir je passiert ist, es ist so schön, dass es dich gibt.“  Sie postet es mit Facebook in die Welt hinaus und stellt dazu die Heiligenbilder in ihr Internet-Album: junge Frau mit Kind. Irgendwie hat sich bei ihr ja auch die alte Verheißung aus dem Propheten Jesaja erfüllt: „Siehe ein junge Frau ist schwanger und wird ein Kind gebären, das wird sie Immanuel nennen - oder Manuela: Gott ist mit uns.
Für morgen früh hat sie sich angekündigt, um das Kind – es ist ein Mädchen -  zur Darstellung der Dame hier in das Gotteshaus zu  bringen, zur Taufe. Es ist ein Kind Gottes, egal  ob Josef die Vaterschaft anerkennt und Mitverantwortung übernimmt oder nicht. In der biblischen Geschichte muss dem Josef  ja  auch erst der Engel des Herrn im Traum erscheinen  und ihm Mut machen. Er fühlt sich noch nicht reif  für die Verantwortung, die auf ihn zukommt. Da erscheint der Engel: „Josef, du Sohn Davids, fürchte dich nicht, Maria deine Frau zu dir nehmen, denn was sie empfangen hat, das ist vom heiligen Geist." Nein - sie hat dich nicht reingelegt. Sie hat dich nicht betrogen. Sie hat das schönste Geschenk für dein Leben, die größte Überraschung, die es gibt – fürchte dich nicht. Auch wenn das alles, was da geschehen ist, nicht ganz deinen Moralvorstellungen entspricht: stiehl dich nicht heimlich davon. Steh zu ihr und dem Kind!  So erzählt Matthäus seine Weihnachtsgeschichte.
Ich wünsche das jedem, dem es so geht wie Josef:  Dass ihm der Engel des Herrn im Traum erscheint und ihm sagt: Fürchte dich nicht! Gott ist mit dir, er hilft dir. Das Kind wird euch versöhnen. Auch wenn es dir ganz unheilig erscheint, es ist doch etwas Heiliges, was da geschehen ist und noch geschehen wird.  
Es muss nicht immer die große romantische Liebe sein. Du sollst dir davon kein Bildniss machen, sagt ein altes Gebot! Manchmal reicht es schon, wenn ihr euch erst mal zusammenrauft, dem Schicksal trotzt, den Stall trotz Ochs und Esel gemütlich herrichtet  und euch mit den Jahren schätzen lernt.
 
Der Pate des Kindes hat uns jedenfalls schon mal diesen rustikalen Stall hier vorne gezimmert, als Unterkunft für die Heilige Familie. Er wird am Weihnachtsmorgen mit dabei sein. Dazu gewiss noch die alte Frau, die immer kommt, zu jedem Gottesdienst. Hanna heißt sie bei Lukas. Dann kommt noch der uralte Simeon. Der geht zwar eher selten zum Gottesdienst, aber Weihnachten ist ihm danach. Er sieht das Kind, hält es in den Armen, und danach kann er getrost das Zeitliche segnen: „Meine Augen haben den Heiland gesehen.“
Auch dafür sind wir heute dankbar: Gewiss nicht jeder, aber doch viele konnten in diesem Jahr so erfüllt und gesegnet wie Simeon von dieser Erde gehen. Da war dieses Kind, Enkel und noch häufiger Urenkelkind mit dem Schein des Christkindes, die Stärke in den Zeiten der abnehmenden Kräfte. Das Licht, dort wo die eigenen Augen trübe geworden waren.
Die Stimme über dieser Begegnung von Ende und Anfang, die Worte des Simeon aus der Weihnachtsgeschichte klingen herüber: „Herr nun lässest du deinen Diener in Frieden fahren, denn meine Augen haben dein Heil gesehen.“ Als Zeichen des Friedens entzündet die Familie heute  noch ein Licht für den Verstorbenen am Altar am Ausgang oder über dem Grab auf dem Friedhof. Und es klingt aus dem Reich der Toten die alte Weihnachtsbotschaft des Jesaja herüber: „Das Volk, das im Finsteren wandelt, sieht ein großes Licht und über denen, die da wohnen im finsteren Land scheint es hell, denn uns ist ein Kind geboren, und sein Name ist Wunder–Rat, Gott-Held, Ewig-Vater, Friede-Fürst, auf dass seine Herrschaft groß werde und des Friedens kein Ende."

„Eia, wär‘n wir da, eia wär‘n wir da“, endet die Sehnsucht  der Weihnacht im Lied „in dulci jubilo, nun singet und seid froh“.
Ich weiß, die Lebensgeschichte geht nicht immer so aus wie bei Elisabeth und Zacharias oder bei Simeon und Hanna. Sie wissen das ebenfalls und Gott weiß es auch. Nicht jedem Paar gelingt die Flucht vor den Mördern ins sichere Asyl. Nicht jedes Kind wird gerettet. nicht jeder Unfall vermieden, nicht jeder Sturm gestillt, nicht jede Krankheit geheilt, Nicht jeder Krieg wird verhindert, nicht jeder Stiefel , der mit Gedröhn dahergeht, und jeder Mantel durch Blut geschleift, wird  vom Feuer verzehrt. Es wird auch gewiss nicht jeder wie Johannes Heester 108 Jahre alt.
Aber der Heiland ist  ja auch noch im Werden. „Das Kind aber wuchs und wurde stark, voller Weisheit  und Gottes Gnade war mit ihm“  notiert Lukas am Ende seiner Weihnachtsgeschichte. Das gleiche sagt er noch einmal zur "Konfirmation" des 12-Jährigem im Tempel: „Und Jesus nahm zu an Weisheit, Alter und Gnade bei Gott und den Menschen“.
Zu dieser zunehmenden Weisheit gehört es, nicht alles alleine machen zu wollen. Er sucht sich Schüler und Studenten und  lehrt sie. Er ruft Jünger in seine Nachfolge. Die werden ihrerseits dann wieder zu Aposteln. Sie werden in die Welt gesandt, ein jeder in seinem Beruf als Bote des Friedens: Ärzte, Lehrer, Juristen, Wissenschaftler, Seelsorger, Erzieherinnen oder auch ein einfacher Handwerker, der mal so einen rustikalen Stall bauen kann, wie den, der  hier vorne in der Kirche steht – für den Anfang der Geschichte von  dem himmlischen Kind.
So also sind wir heute hier als versammelte Christenheit: Um Gott zu loben und zu danken für das Geschenk des Lebens, uns zu stärken, uns segnen zu lassen für den Dienst im Beruf und in der Familie. So sind wir selbst ein Teil der Weihnachtsgeschichte. Der Friede Jesu Christi erfülle dabei unsere Herzen und Sinne und  strahle hinaus, als Licht für die Welt, als heller Schein für alle, die da wohnen im finsteren Land.

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